Manchmal beginnt eine gemeinsame Lebensreise nicht mit einem perfekten Plan. Sondern mit einem Moment, der einem noch Jahrzehnte später im Kopf bleibt.
Im Jahr 2003 war ich 21 Jahre alt und auf Phuket unterwegs. Eigentlich hatte ich zu diesem Zeitpunkt schon eine kleine Überdosis Dating und war nicht unbedingt auf der Suche nach der nächsten Bekanntschaft.
Dann ging Mali an uns vorbei.
Sie kannte einen Bekannten von mir, mit dem ich unterwegs war. Als sie an uns vorbeiging, drehte sie sich noch einmal um, schaute zurück - und lächelte. Für einen Moment blieb mir tatsächlich der Atem weg. Dieses Lächeln ... unglaublich.
Mein Bekannter kannte sie und wollte den Kontakt herstellen. Ich zögerte allerdings. Nicht, weil ich sie nicht kennenlernen wollte - ganz im Gegenteil. Ich hatte eher Sorge, dass sie überhaupt kein Interesse an etwas Ernsthaftem haben würde. Zum Glück ließ mein Bekannter sich davon nicht abhalten. So begann unsere Geschichte.
Phuket war der Anfang - aber nicht unser Ort
Phuket war schon 2003 eine Touristenhochburg. Laut, bunt, voll, aufregend und an manchen Stellen einfach ein bisschen zu viel von allem. Dort hatten wir uns gefunden. Aber ziemlich schnell merkten wir beide, dass wir nicht dortbleiben wollten. Also gingen wir gemeinsam nach Bangkok. Nicht, weil Bangkok ruhiger gewesen wäre - ganz sicher nicht. Bangkok war für uns vielmehr eine Zwischenstation.
Ein Ort, an dem wir erst einmal gemeinsam leben und überlegen konnten: Was machen wir jetzt eigentlich? Und wohin soll unsere Reise als Nächstes gehen? Aus ein paar geplanten Tagen wurden schließlich rund drei Monate. Drei Monate Bangkok, in denen aus einer Begegnung auf Phuket langsam etwas ganz anderes wurde.
Plötzlich war ich Teil ihres Lebens
In Bangkok wurde aus gemeinsam verbrachter Zeit ziemlich schnell Alltag. Mali stellte mich ihren Eltern vor. Und das war für mich einer dieser Momente, an denen man merkt, dass eine Begegnung gerade eine andere Bedeutung bekommt.
Ich war ein junger Deutscher Anfang 20, in einem Land, dessen Sprache und Kultur ich nur teilweise verstand, und stand plötzlich vor der Familie der Frau, in die ich mich gerade verliebte. Natürlich war ich nervös. Natürlich gab es kulturelle Unterschiede. Und natürlich hatte niemand von uns eine Ahnung, was aus dieser Geschichte einmal werden würde. Aber wir versuchten es einfach.
Unser Apartment in der Sukhumvit
Wir bezogen gemeinsam ein Apartment in der Sukhumvit. Wenn ich heute daran zurückdenke, war das eine unglaublich aufregende Zeit. Bangkok war für mich damals eine komplett andere Welt.
Der Verkehr, das Essen, die Hitze, die Menschen, die Geräusche, die Gerüche - alles war intensiver als das, was ich aus Europa kannte. Und mittendrin begannen wir, uns so etwas wie ein gemeinsames Leben aufzubauen. Es war nicht luxuriös. Wir hatten keinen perfekten Plan. Aber wir hatten ein Apartment. Wir hatten uns. Und ich hatte einen Beruf, der uns damals eine erstaunliche Freiheit gab. Ich war Programmierer.
Ein Modem. Eine Telefonleitung. Und ich konnte arbeiten.
Damit konnten wir unser gemeinsames Leben finanzieren. Und genau das gab uns die Freiheit, nicht sofort entscheiden zu müssen, wie es weitergehen sollte. Wir konnten einfach bleiben. Uns kennenlernen. Und gemeinsam überlegen, wohin es uns als Nächstes ziehen würde.
Drei Monate später: Ao Nang
Nach rund drei Monaten Bangkok war die Entscheidung gefallen. Wir wollten weiter. Und schließlich verschlug es uns nach Ao Nang in der Provinz Krabi. Das Ao Nang von 2003 hatte mit dem heutigen Ferienort noch deutlich weniger gemeinsam. Damals hatte der Ort vielerorts noch den Charakter eines kleinen Fischerdorfs. Nach Phuket und drei Monaten Bangkok fühlte sich das fast wie eine andere Welt an. Langsamer. Überschaubarer. Meer vor der Tür. Und plötzlich viel mehr Raum, einfach miteinander zu leben. Was als spontane Begegnung auf Phuket begonnen hatte, war längst keine Urlaubsgeschichte mehr.
Wir waren gemeinsam unterwegs. Nicht mit einem fertigen Plan. Sondern Schritt für Schritt.
Aus Reisen wurde Leben
Vielleicht war genau das der Moment, in dem Reisen für mich eine andere Bedeutung bekam. Es ging nicht mehr darum, Sehenswürdigkeiten abzuhaken oder möglichst viel von Thailand zu sehen. Wir lebten zusammen. Wir kauften ein. Wir aßen zusammen. Wir arbeiteten. Wir trafen Entscheidungen. Wir lernten uns kennen. Wir hatten gute Tage und schlechte. Und wir mussten herausfinden, ob aus dieser unglaublich intensiven Anfangszeit tatsächlich etwas Dauerhaftes entstehen konnte. Das klingt heute vielleicht selbstverständlich. War es aber nicht. Wir kamen aus zwei völlig unterschiedlichen Welten.
Andere Sprache. Andere Kultur. Andere Vorstellungen. Andere Erfahrungen. Und wir waren beide jung.
Es war nicht von Anfang an perfekt
Wenn man nach mehr als zwei Jahrzehnten auf eine Beziehung zurückblickt, passiert etwas Seltsames. Man erinnert sich an die großen Momente und vergisst manchmal, wie viel Entwicklung dazwischen lag. Unsere Beziehung war nicht vom ersten Tag an perfekt. Sie wurde es auch nicht nach einem Jahr. Und wahrscheinlich gibt es diesen Zustand sowieso nicht. Wir mussten lernen, uns zu verstehen. Wir mussten lernen, miteinander zu streiten. Wir mussten lernen, Dinge nicht persönlich zu nehmen. Und wir mussten lernen, dass Liebe allein manchmal nicht reicht.
Was zählt, ist das, was man daraus macht.
Gemeinsam wachsen
Genau das ist vielleicht die wichtigste Erfahrung, die wir heute teilen können. Wir glauben nicht daran, dass irgendwo der eine Mensch herumläuft, bei dem vom ersten Moment an alles perfekt passt. Aber wir glauben daran, dass es Menschen gibt, mit denen eine gute Basis entsteht. Eine Basis aus Anziehung, Vertrauen, Respekt und dem Gefühl, dass man mehr voneinander wissen möchte. Und dann beginnt eigentlich erst die Arbeit. Oder vielleicht besser gesagt: Dann beginnt das gemeinsame Wachsen. Aus zwei Menschen mit völlig unterschiedlichen Geschichten wird irgendwann ein Paar mit einer gemeinsamen Geschichte.
Nicht, weil alles immer leicht ist. Sondern weil beide immer wieder daran weiterbauen.
ZweiReisen
Genau deshalb gibt es diesen Blog. Wir wollen niemandem erklären, wie die perfekte Beziehung funktioniert. Dafür gibt es vermutlich ohnehin keine allgemeingültige Anleitung. Was wir aber nach mehr als zwei Jahrzehnten können, ist unsere Erfahrung teilen. Über gemeinsame Erlebnisse. Über Reisen. Über Nähe. Über Unterschiede. Über Dinge, die uns geholfen haben. Und über die kleinen Momente, aus denen irgendwann etwas Großes wird. Denn manchmal beginnt eine gemeinsame Lebensreise eben nicht mit einem perfekten Plan. Manchmal beginnt sie einfach 2003 auf einer Insel in Thailand.
Mit einem Markt. Mit einem Bekannten, der zwei Menschen miteinander bekannt macht. Mit drei Monaten Bangkok, in denen man herausfindet, ob man überhaupt gemeinsam weiterreisen möchte. Und schließlich mit einem kleinen Ort namens Ao Nang, an dem aus einer Reise immer mehr gemeinsames Leben wurde. Aber angefangen hat alles mit diesem einen Moment. Mali ging an uns vorbei. Sie drehte sich um. Sie lächelte.
Und dieses Lächeln haut mich bis heute um.
Zwei Reisen. Ein gemeinsamer Weg.